Tinos ist die drittgrösste Insel der Kykladen. Sie hat keinen Flughafen und wird deshalb vom grossen Touristenstrom verschont. Die Insel hat ihren typisch griechischen Charakter beibehalten und ist leicht von Athen oder Mykonos aus mit der Fähre erreichbar.


Geschichte: In der griechischen Mythologie ist Tinos der Geburtsort des Windgottes Aiolos, der sich während des ganzen Jahres meist kräftig ins Zeug legt. Der Meltemi, der im Sommer vorherrschende Wind, sorgt dafür, dass trotz hochsommerlichen Temperaturen schöne Wanderungen auf alten Eselspfaden möglich sind.

Wenige Kilometer westlich der Hauptstadt befinden sich Reste eines Heiligtums, das dem Meeresgott Poseidon gewidmet war.

Die Venezianer, die von 1207 bis 1715 auf Tinos herrschten, brachten die Taubenzucht nach Tinos. Die Vögel wurden als Brieftauben eingesetzt und lieferten Eier, Dünger und Fleisch. Als Gutsherren mit Sinn für Ästhetik und praktischer Verwendbarkeit errichteten sie viereckige Türme, im oberen Stockwerk mit geometrischen Mustern aus unterbrochenem Marmor verziert. Die Bauern erhielten auch eine Steuerreduktion für das Land, auf dem ein Taubenturm stand. So entstanden überall auf gutem und landwirtschaftlich nutzbarem Land einzigartige, schön verzierte Türme.

Mitten im griechischen Freiheitskampf wurde 1823 in Tinos ein Marienbild ausgegraben; der Fundort sei von der Jungfrau Maria einer Ordensfrau genannt worden. Die psychologische Wirkung dieses Fundes war ungemein stark; der Sieg gegen die Türken wurde denn auch der Kraft dieses Heiligenbildes zugeschrieben, es wurde zum Symbol des Freiheitswillens des griechischen Volkes. Noch heute ist diese Freiheitsliebe und die Religiosität auf der Insel stark zu spüren.


Religion: Ungefähr die Hälfte der Inselbewohner ist römisch-katholisch, die andere

griechisch-orthodox. Der grosse Anteil der Katholiken geht auf die Herrschaft der Venezianer zurück. Die Basilika Panagia Evangelistria in Tinos Stadt ist die wichtigste Wallfahrtsstätte der griechisch-orthodoxen Kirche Griechenlands und wird oft als «das griechische Lourdes» bezeichnet. Vor allem am 15. August (Mariä Himmelfahrt) strömen mehrere tausend Pilger nach Tinos, um das wundertätige Marienbild in der Basilika zu ehren.